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Diskussion Sek II

Keine Toleranz für Intoleranz – Karl Popper

https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Popper

In einer Welt, in der Debatten immer hitziger geführt werden und der öffentliche Diskurs oft tief gespalten erscheint, stehen wir vor einer fundamentalen Frage: Müssen wir alles tolerieren? Auch diejenigen, die unsere Toleranz ausnutzen, um sie abzuschaffen?

Popper argumentierte treffend: „Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz.“ Wenn eine Gesellschaft Intoleranz schrankenlos duldet, riskiert sie ihre eigene Selbstzerstörung.

Doch wo zieht man die Grenze? Und wie schützen wir eine offene, demokratische Gesellschaft, ohne selbst autoritär zu werden? In diesem Blogbeitrag tauchen wir tief in Karl Poppers Denken ein.

Leben

Karl Raimund Popper wurde 1902 in Wien in einer jüdischen Familie geboren. Im Jahr 1930 schließt er eine Ehe mit Josefine Anna Henninger. Durch die Veränderung der politischen Lage Europas in 1937 und des drohenden Anschlusses Österreichs an NS-Deutschlands, bringt Karl Popper dazu eine Dozentenstelle am Canterbury University College im neuseeländischen Christchurch. Popper gründet mit Freunden Vorort ein jüdisches Flüchtlings Komitee, welches die Ausreise von jüdischen Familien nach Neuseeland erleichtern soll. Bis zum Ende des zweiten Weltkrieges sterben 16 Familienmitglieder von Popper an den Folgen des Nationalsozialismus. 1946 kehrt Karl Popper zurück nach London und nimmt einen Lehrauftrag für Philosophie an der London School of Economics. Karl Popper geht 1969 in den Ruhestand. Nach seiner langen Karriere erhielt Popper weitere Auszeichnung, wie zum Beispiel die Auszeichnung des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland und Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt Wien. 1994 stirbt Karl Popper am 17. September in London.

Offene & Geschlossene Gesellschaft

In Poppers bekannstestem Werk „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ von 1945 stellt er seine Theorie zur Gesellschaft vor. Er liefert einen Gegenentwurf zu den totalitären Systemen.

Die geschlossene Gesellschaft ist in seiner Gesellschaftstheorie das negative, nicht anzustrebende, System. Sie sei intolerant, nur nach innen gerichtet und legt den Fokus aus Gemeinschaft, Ideologie und Tradition. Sie praktizieren totalitäre und autoritäre politische Formen wie Platon, Hegel oder Marx sie teils befürworteten. Es gibt keinen Raum für individuelle Entfaltung oder friedlichen, institutionellen Wandel. Fehlerkorrekturen seien extrem schwierig oder gewaltsam möglich.

Die offene Gesellschaft ist hingegen das positive System, an welchem es sich zu orientieren gilt. Diese ist tolerant, zu der geschlossenen Gesellschaft diametral und nach außen gerichtet. In der offenen Gesellschaft stehen das Individuum, die Vernunft, der Fortschritt und die kritische Fähigkeit des Menschen im Mittelpunkt. Der Einzelne besitzt die Freiheit, Traditionen zu hinterfragen und Institutionen rational zu diskutieren. Die Demokratie ist fester Bestandteil einer offenen Gesellschaft und eine Veränderung des Systems ist jederzeit gewaltfrei möglich.

Eine weitere Erklärung der Gesellschaftstheorie Poppers finden Sie im Video ab 5:02.

Toleranz Paradoxon

Uneingeschränkte Toleranz führt zwingend zum Ende der Toleranz. Wenn eine Gesellschaft, die unendlich tolerant ist, mit dieser Toleranz auch den nicht Toleranten entgegenkommt, dann führt dies laut Karl Popper zwingend zum Ende und der Zerstörung dieser Toleranz. Wenn zum Beispiel eine Regierung intolerante Parteien erlaubt, dann können diese Parteien weiter wachsen und durch den Spielraum, welchen sie von der toleranten Regierung bekommen, können sie irgendwann die tolerante Regierung überwerfen und so eine intolerante Regierung bilden. Damit dies nicht passiert, darf man den Intoleranten nicht mit Toleranz entgegenkommen, sondern man muss die Intoleranten zurück weisen. „Im Namen der Toleranz sollen wir uns das Recht vorbehalten, Intoleranz nicht zu tolerieren“ Karl Popper

Der themenbezogene Teil des Videos beginnt bei 6:45 und endet bei 9:40.

Kritischer Rationalismus

Der kritische Rationalismus greift aktiv Theorien an. Er bezeichnet jede Theorie als vorläufig richtig, bis sie falsch bewiesen wird. Der kritische Rationalismus ist somit ein direkter Gegenspieler zum Dogmatismus, welcher besagt, dass es absolute Wahrheiten (z.B. Gott) gibt. Beim kritischen Rationalismus gibt es 3 wichtige Prinzipien. Zuerst gibt es das Prinzip der Fehlbarkeit, darauf folgt das Prinzip der Anerkennung der Wahrheit und das Prinzip der vernünftigen Diskussion. Das Prinzip der Fehlbarkeit besagt, dass man selber falsch liegen kann, was dem Dogmatismus direkt widerspricht. Beim kritischen Rationalismus ist vor allem wichtig, dass man selber versucht seine Theorien als falsch zu bestimmen, was man dann Falsifikation nennt. Was auch wichtig ist, ist der Fallibilismus, welcher besagt, dass ich mir nie zu 100% sicher sein kann, dass mir die absolute Wahrheit bekannt ist. Das Prinzip der Anerkennung der Wahrheit besagt, dass auch mein Gegenüber richtig liegen kann. Die 2 Prinzipien führen zu dem Prinzip der vernünftigen Diskussion, welches besagt, dass man zu Zweit oder mit noch mehr Personen der Wahrheit schneller, leichter und genauer auf die Spur kommt.

Um den kritischen Rationalismus auf eine andere Weise erklärt zu bekommen gucke das Video von 2:57 bis 5:00.