Hallo, ich bin Tippy!
Hast du dich schon einmal gefragt, was Toleranz ist? Das Wort hast du bestimmt schon gehört, doch weißt du auch, was dahintersteckt? Ich nämlich schon und ich fand das Thema sehr interessant! Deshalb möchte ich es mit dir teilen.
Das erwartet dich:
Definition
Das Wort Toleranz kommt aus dem Lateinischen: Das Verb „tolerare“ bedeutete ursprünglich erdulden, ertragen. Das war jedoch eher passiv gemeint. Man nahm hin, was nicht zu ändern war. Im Laufe der Geschichte wandelte sich die Bedeutung des Wortes. Menschen sind heute tolerant, wenn sie akzeptieren und respektieren, dass jeder das Recht darauf hat, so zu sein, wie er oder sie sein möchte.
Wusstest du schon? Jedes Jahr am 16. November ist der Internationale Tag der Toleranz. Auf der ganzen Welt denken Menschen dann darüber nach, wie wir friedlich miteinander leben können.
Woher kommt das Wort?
Früher war das mit der Toleranz gar nicht so einfach. In vielen Ländern durfte man lange Zeit nur den Glauben haben, den der Herrscher vorgab. Wer etwas anderes glaubte, wurde oft bestraft oder musste sogar aus der Heimat fliehen.
Nach und nach merkten immer mehr Menschen: Das ist ungerecht! Jeder soll selbst entscheiden dürfen, woran er glaubt und wie er leben möchte. So wurde aus „aushalten“ langsam „respektieren“. Und genau das meinen wir heute, wenn wir von Toleranz sprechen.
📖 Eine berühmte Geschichte: Die drei Ringe
Der Dichter Gotthold Ephraim Lessing hat sie vor mehr als 200 Jahren aufgeschrieben. Ein Vater besitzt einen wunderschönen Ring und hat drei Söhne, die er alle gleich lieb hat. Weil er keinen bevorzugen will, lässt er zwei Kopien machen. Jeder Sohn bekommt einen Ring und glaubt, seiner sei der echte.
Natürlich gibt es Streit! Ein weiser Richter sagt schließlich: „Streitet nicht darüber. Zeigt lieber durch Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, dass euer Ring etwas Besonderes ist.“ Die Geschichte erinnert uns: Niemand hat das Recht, andere zu belehren, nur weil er sich für besser hält.
Nicht verwechseln!
Zu Toleranz gehören ein paar Wörter, die ähnlich klingen, aber nicht dasselbe bedeuten. Tippy hat sie für dich sortiert:
Toleranz
Ich lasse andere so sein, wie sie sind, auch wenn ich es selbst anders mache oder anders sehe.
Respekt
Ich behandle jeden Menschen mit Achtung und höre ihm zu, egal ob ich ihn mag oder nicht.
Akzeptanz
Ich nehme jemanden so an, wie er ist, und er gehört ganz selbstverständlich dazu.
Gleichgültigkeit
„Ist mir doch egal.“ Das ist keine Toleranz! Wer tolerant ist, schaut hin und achtet den anderen trotzdem.
Vorurteil
Ich habe schon eine feste Meinung über jemanden, obwohl ich ihn gar nicht kenne.
Beispiele
Anderes Essen
In der Pause hat Luca Reis mit Gemüse dabei, Emma ein Käsebrot. Beides ist völlig in Ordnung. Niemand lacht, jeder isst, was ihm schmeckt.
Neu in der Klasse
Ein neues Kind spricht noch nicht so gut Deutsch. Du lächelst, zeigst ihm den Weg und fragst, ob es mit dir spielen möchte.
Alle dürfen mitspielen
Nicht jeder kann gleich gut kicken. Trotzdem darf jeder mitmachen, denn beim Spielen geht es um den Spaß und nicht nur ums Gewinnen.
Andere Meinungen
Du malst die Sonne gelb, dein Freund malt sie lila. Du musst es nicht genauso sehen, aber du lässt seine Idee gelten.
Andere Feste
Ayşe feiert das Zuckerfest, Tom Weihnachten und Mara Chanukka. Die Kinder fragen neugierig nach und probieren gern die Leckereien der anderen.
Jeder gehört dazu
Ben sitzt im Rollstuhl. Die Klasse überlegt sich ein Spiel, bei dem alle mitmachen können, und Ben darf sogar die Regeln erklären.
Vorurteile: Schubladen im Kopf
Ein Vorurteil ist eine Meinung über jemanden, die man sich bildet, bevor man ihn richtig kennt. Es ist wie eine Schublade im Kopf: Man steckt Menschen hinein und denkt, alle in der Schublade wären gleich. Beispiele dafür sind:
🤓 „Kinder mit Brille sind Streber.“
⚽ „Mädchen können kein Fußball spielen.“
😢 „Jungs dürfen nicht weinen.“
Wir merken oft gar nicht, dass wir ein Vorurteil haben. Dafür gibt es zwei Hauptgründe:
1. Wir wachsen mit ihnen auf
Wenn Menschen in unserer Umgebung immer wieder etwas Gemeines über andere sagen, glauben wir es irgendwann. Dann müssen wir erst erkennen, dass es nicht stimmt, und es ändern.
2. Wir wissen zu wenig
Was wir nicht kennen, kann uns erst einmal fremd oder sogar unheimlich vorkommen. Doch sobald wir jemanden kennenlernen, merken wir oft: Der ist ja ganz nett!
Tippy erzählt: Ich dachte früher, alle Igel wären stachelig und unfreundlich. Dann hat mir ein Igel im Herbst eine Handvoll Haselnüsse geschenkt, weil mein Vorrat leer war. Seitdem sind wir Freunde. Mein Vorurteil war einfach falsch!
Mein Vorurteil-Check: Stimmt das wirklich für alle? Kenne ich die Person überhaupt? Woher weiß ich das?
Grenzen der Toleranz
Toleranz heißt nicht, dass man sich alles gefallen lassen muss. Wir sind tolerant gegenüber Menschen, aber nicht gegenüber Dingen, die anderen wehtun. Hier ist Schluss:
✋Gewalt
Wer andere schlägt, tritt oder bedroht, tut ihnen weh. Das ist niemals in Ordnung, egal aus welchem Grund. Hier ist Schluss!
🚫Beleidigen und Mobbing
Gemeine Wörter, Auslachen und Gerüchte verletzen genauso wie Schläge. Wenn jemand immer wieder fertiggemacht wird, müssen wir einschreiten.
💔Ausgrenzen
Niemand soll allein am Rand stehen, nur weil er anders aussieht, etwas anderes glaubt oder eine andere Sprache spricht.
Wusstest du schon? Auch in unserem Grundgesetz steht, dass niemand wegen seiner Herkunft, Sprache, seines Glaubens, Geschlechts oder einer Behinderung benachteiligt werden darf. Toleranz ist also nicht nur nett, sondern auch ein Recht für uns alle.
Warum ist Toleranz wichtig?
❤️ Wohlfühlen
Jeder Mensch möchte sich sicher fühlen und so sein dürfen, wie er ist.
🌍 Weniger Streit
Wir sind alle verschieden. Ohne Toleranz gäbe es ständig Streit und die Welt wäre ein ziemlich unfreundlicher Ort.
😊 Neue Freunde
Wer offen ist, lernt Kinder kennen, die er sonst nie getroffen hätte.
🧠 Voneinander lernen
Jeder weiß etwas anderes. Zusammen entdecken wir neue Spiele, Lieder, Rezepte und Ideen.
🕊️ Frieden
Wo Menschen einander respektieren, gibt es weniger Hass und mehr Frieden, in der Klasse und auf der ganzen Welt.
🛡️ Mut
Wer weiß, dass er so sein darf, wie er ist, traut sich mehr: sich melden, mitspielen, er selbst sein.
Wie gelingt Toleranz?
Toleranz kann man üben, so wie Fahrradfahren oder Lesen. Diese sechs Tipps helfen dir dabei:
- Zuhören. Lass andere ausreden und schau sie dabei an. Wer zuhört, zeigt: Du bist mir wichtig.
- Neugierig fragen. Wenn du etwas nicht verstehst, frag freundlich nach, statt gleich zu urteilen.
- Sich hineinversetzen. Stell dir vor: Wie würde ich mich an seiner Stelle fühlen?
- Gemeinsamkeiten suchen. Auch bei großen Unterschieden gibt es etwas, das euch verbindet, zum Beispiel dasselbe Lieblingsspiel.
- Eigene Vorurteile prüfen. Wenn du etwas Gemeines denkst, frag dich: Stimmt das wirklich?
- Mutig sein. Hilf, wenn jemand geärgert oder ausgeschlossen wird, und sag laut, was dir nicht gefällt.
Toleranz überall
Toleranz brauchen wir nicht nur im Unterricht. Sie gehört in jeden Teil unseres Alltags:
In der Schule
Du hilfst bei den Hausaufgaben, lässt andere ausreden und suchst bei Gruppenarbeiten nicht nur deine besten Freunde aus.
Zu Hause
Geschwister und Eltern haben andere Vorlieben. Du hörst zu, einigst dich fair und akzeptierst auch mal ein „Nein“.
Im Internet
Auch online sitzt hinter jedem Bild ein echter Mensch. Schreib nur, was du auch ins Gesicht sagen würdest, und teile keine fiesen Nachrichten.
Im Verein
Im Training oder im Chor zählt, was wir zusammen schaffen. Jeder darf mitmachen, egal ob Anfänger oder Profi.
Mutig sein: Wenn jemand ausgegrenzt wird
Manchmal sehen wir, dass jemand geärgert wird, und wissen nicht, was wir tun sollen. Das ist ganz normal. Aber du kannst viel bewirken, ohne dich selbst in Gefahr zu bringen:
- Nicht mitlachen. Schon das ist ein Zeichen: Das finde ich nicht lustig.
- Dich dazustellen. Geh zu dem Kind und sprich es freundlich an. Zu zweit ist niemand allein.
- Hilfe holen. Sag einer Lehrerin, einem Lehrer oder deinen Eltern Bescheid. Das ist kein Petzen, das ist Helfen!
- Danach da sein. Frag später: „Geht es dir gut?“ Dieser Satz bedeutet oft mehr, als man denkt.
📞 Wenn dich selbst etwas bedrückt
Du kannst immer mit Eltern, Lehrkräften oder Vertrauenspersonen sprechen. Außerdem gibt es die „Nummer gegen Kummer“ für Kinder und Jugendliche: 116 111. Der Anruf ist kostenlos und anonym. Die genauen Zeiten findest du auf nummergegenkummer.de.
Lerne uns kennen!
Tippe auf einen Zettel, dann wird er groß und du kannst die Geschichte lesen.
Jonas
Hallo, ich bin Jonas! Am liebsten spiele ich Fußball, und zwar jede Pause. Neulich wollte ein Junge aus der Parallelklasse mitspielen. Er war ziemlich klein und hat den Ball kaum getroffen. Ein paar von uns haben die Augen verdreht und wollten ihn wegschicken.
Da musste ich an mein erstes Training denken. Ich war auch mal der Neue und total aufgeregt. Also habe ich gesagt: „Komm, du spielst in meinem Team!“ Und weißt du was? Nach ein paar Tagen hat er sein erstes Tor geschossen. Wir haben alle gejubelt.
Für mich heißt Toleranz, dass jeder mitspielen darf, egal wie gut er ist. Und ich finde es richtig doof, wenn jemand ausgelacht wird.
Amira
Hi, ich bin Amira! Ich lese unheimlich gern und höre Musik, wann immer es geht. Vor zwei Jahren bin ich mit meiner Familie in eine neue Stadt gezogen. Am Anfang kannte ich niemanden, und mein Deutsch war noch nicht perfekt. In der Pause saß ich oft allein auf der Bank.
Dann kam Sophie auf mich zu. Sie hat nicht gefragt, warum ich anders spreche. Sie hat gefragt, welches Buch ich lese. Wir haben stundenlang über Geschichten geredet, und heute sind wir beste Freundinnen. Sie hat mir sogar geholfen, schwierige Wörter zu üben.
Toleranz bedeutet für mich, andere so zu nehmen, wie sie sind, und neugierig statt misstrauisch zu sein. Das hat mir damals so viel Mut gemacht.
Lena
Hallo, ich bin Lena! Ich liebe Tiere, gehe gern schwimmen und esse für mein Leben gern Eis. Ich trage seit diesem Jahr eine Brille, und am Anfang hatte ich richtig Angst, dass mich die anderen auslachen. Ein Junge hat tatsächlich „Brillenschlange“ zu mir gesagt. Das hat sehr wehgetan.
Meine Freundin Mia hat sofort gesagt: „Das ist nicht lustig. Hör auf damit!“ Danach hat sich der Junge sogar entschuldigt. Mir ist klar geworden, wie wichtig es ist, dass jemand den Mund aufmacht.
Für mich heißt Toleranz, freundlich zu sein, auch wenn jemand anders ist. Und es bedeutet auch, zuzuhören, statt gleich zu urteilen.
Malik
Hey, ich bin Malik! Ich zocke gern Videospiele, tanze für mein Leben gern und esse am liebsten Nudeln. Mein Hobby Tanzen finden manche komisch, weil sie denken, das sei nur etwas für Mädchen. Anfangs habe ich es deshalb meinen Mitschülern gar nicht erzählt.
Dann haben wir im Sportunterricht eine Choreografie gemacht, und alle haben gesehen, wie gut ich tanze. Ein paar waren erst überrascht, aber dann haben sie mich gefragt, ob ich ihnen ein paar Schritte beibringe. Jetzt tanzt die halbe Klasse mit.
Toleranz heißt für mich, andere Meinungen und Hobbys auszuhalten und zu respektieren, auch wenn man sie selbst nicht teilt. Vorurteile finde ich doof, denn meistens stimmen sie gar nicht.
Stimmt das? Der Mythen-Check
Tippe auf eine Aussage und finde heraus, ob sie stimmt:
🤔 „Toleranz heißt, alles gut zu finden.“
❌ Falsch! Ich muss nicht alles mögen. Aber ich lasse andere ihren Weg gehen, solange sie niemandem wehtun.
🤔 „Nur Erwachsene müssen tolerant sein.“
❌ Falsch! Toleranz ist für alle da, auch für Kinder. Im Klassenzimmer, auf dem Pausenhof und im Chat kommt es auf jeden von uns an.
🤔 „Wer anders aussieht, denkt auch anders.“
❌ Falsch! Aussehen, Hautfarbe oder Kleidung sagen nichts über den Charakter. Man lernt einen Menschen erst kennen, wenn man mit ihm redet.
🤔 „Hilfe holen ist petzen.“
❌ Falsch! Petzen heißt, jemanden absichtlich in Schwierigkeiten zu bringen. Hilfe holen heißt, jemanden zu schützen. Das ist mutig und richtig.
🤔 „Vorurteile kann man wieder loswerden.“
✅ Stimmt! Wer offen bleibt, Fragen stellt und Menschen wirklich kennenlernt, kann seine Meinung ändern. Das ist keine Schwäche, sondern Stärke.
Die 7-Tage-Toleranz-Challenge
Schaffst du eine Woche voller Toleranz? Jeden Tag wartet eine kleine Aufgabe auf dich. Hake sie ab, wenn du sie geschafft hast!
Sag jemandem heute etwas Nettes, am besten jemandem, den du nicht so gut kennst.
Setz dich in der Pause oder beim Essen zu jemandem, mit dem du sonst nicht viel redest.
Frag jemanden nach seinem Lieblingshobby und hör richtig zu, ohne zu unterbrechen.
Probiere etwas aus einer anderen Kultur aus: ein Gericht, ein Lied oder ein Spiel.
Achte darauf, ob du ein Vorurteil hörst. Frag dich leise: Stimmt das wirklich?
Lade jemanden zum Spielen ein, der oft allein ist.
Schreib auf, was du diese Woche gelernt hast und was dich überrascht hat.
Fragen an dich
Jetzt bist du dran! Hattest du auch schon einmal ein Vorurteil gegenüber einem Menschen oder einem Land? Woran hast du gemerkt, dass es eines war, und wie hat sich deine Meinung geändert? Frag auch deine Eltern oder mach Interviews auf der Straße. Du wirst staunen, wie viele eine solche Geschichte erzählen können!
👉 Tippe auf ein Arbeitsblatt, dann bekommst du das PDF.
Mein Toleranz-Versprechen
Jetzt weißt du, was Toleranz bedeutet. Vielleicht magst du dir diese Versprechen zu Herzen nehmen:
- Ich höre zu und lasse andere ausreden.
- Ich prüfe meine Vorurteile, bevor ich über andere urteile.
- Ich schließe niemanden aus und lache niemanden aus.
- Ich hole Hilfe, wenn jemand geärgert wird.
- Ich bin neugierig auf Menschen, die anders sind als ich.
Danke fürs Lesen! Bis zum nächsten Mal, dein Tippy 🐿️